Overload 1

Am Anfang aller Kunst steht der Mensch – nicht der Künstler -, das ist die reiche, überreiche, empfindsame Seele, sucht nach einem Ausdruck, um ihre Überfülle in die Schwesterseele zu tragen.

Ludwig Fahrenkrog, 1913

Die letzten zwei Jahre gestalteten sich mir als kreative Totzone. Fernab von jeder Inspiration, brachte die phlegmatische Haltung dieser Tage kaum mehr als dokumentarisch-nüchterne Abbildungen ohne tieferen Hintergrund auf den Sensor meiner geliebten Pentax.

Nun, ohne bis dato klar definiertes Schlüsselerlebnis, rollen Wellen von Visionen und Ideen in zahlloser Gestalt und unglaublicher Vielfalt fast stündlich an meinem inneren Auge vorbei. So viel davon als möglich versuche ich zu fassen und in eine gewisse, für’s erste recht grobe Form zu bringen. Ein Tag ohne griffbereiten Notizblock und treues Diktiergerät auf Autofahrten sind undenkbar geworden. Stets ist eine latente Angst gegenwärtig, DIE Vision, DEN Gedanken auf dem Pfad zur nächsten Stufe der Erkenntnis zu verpassen. In gewisser Weise paradox und schwer zu erläutern.

In eingangs zitierter Aussage Fahrenkrogs steckt für mich sehr viel Sinn. Der Ausdruck, für mein Kunstschaffen, mein Verständnis bildender Kunst, elementarer Baustein und erste Grundlage; verlangt nach einem angemessenen Weg, sich mitzuteilen. Die Mitteilung soll dabei so rein und unverändert als möglich beim Gegenüber, dem Kommunikationspartner oder einfach Betrachter sozusagen, ankommen. Daher vielleicht der Hang zu einem solch diffizilen Perfektionismus der von außen betrachtet wohl eher schädliche Auswirkungen haben wird. Die permanente Suche nach dem bestmöglichen Transportmittel der Botschaft wird zur Odyssee im Meer der Ideen. Vieles wird begonnen, das meiste aber nicht zuende geführt und dadurch geht vieles, was vielleicht nicht die höchste Stufe aber womöglich ein kleiner Absatz ist, verloren und wird im Archiv „einstweilen“ ad acta gelegt.

Bleiben wir einmal bei unserem Beispiel und spinnen diesen Gedanken weiter, so führt diese „Sucht“ nach bestmöglicher Ausdrucksweise nicht zu einer schon gefährlich anmutenden Kollidierung von Sinn und Wirkung?

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